Sprachforschung

Trockene Wissenschaft? Von wegen!

Bei dem Stichwort Sprachforschung (Linguistik) denken viele an verstaubte Bücher, langweilige Dokumente und einsame Schreibtischarbeit. Die Realität sieht anders aus. Wenn wir Sprachen erforschen, arbeiten wir direkt mit den Menschen zusammen, die diese Sprache sprechen. Nur so können wir die Grammatik oder das Lautsystem entschlüsseln.

Ohne Sprachwissenschaft geht es nicht

Viele Sprachen dieser Welt wurden noch nie aufgeschrieben oder erforscht. Ohne eine einheitliche Rechtschreibung kann eine Sprache aber nicht im Schulunterricht verwendet werden. Und wenn grammatische Zusammenhänge nicht verstanden werden, besteht die Gefahr, dass sich in die Bibelübersetzung Fehler einschleichen. Indem wir in die Geheimnisse sprachlicher Strukturen eindringen, legen wir die Grundlage für Schulbildung und Bibelübersetzung.

Sprachforschung – Wie geht das?

Wie bei einem Puzzlespiel greifen bei der Sprachforschung verschiedene Bereiche ineinander:

Spracherkundung

Viele Menschen sprechen mehr als nur eine Sprache. Sprachen mit wenigen Sprechern können vom Aussterben bedroht sein. Durch Spracherkundung finden Wycliff-Mitarbeiter heraus, welche Sprachen bestimmte Volksgruppen am besten verstehen – damit ihnen Gottes Wort zu Herzen geht.

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Spracherkundung

Die Spracherkundung befasst sich u.a. mit den Fragen:

– Sprechen alle Bevölkerungsgruppen den gleichen Dialekt und verstehen sich die Sprecher verschiedener Dialekte untereinander?
– Spricht man die Muttersprache nur zuhause, oder auch auf dem Markt, in der Kirche, in der Schule?
– Wird nur die Muttersprache verstanden oder auch eine andere Sprache, und wenn ja, wie gut?
– Wie denken die Menschen über ihre Sprache? Ist die Sprache wertgeschätzt oder verachtet?

Das Wichtigste ist: Die Ergebnisse der Spracherkundung helfen ganz wesentlich zu entscheiden, welche Völker eine eigene Bibelübersetzung brauchen – damit Menschen die Bibel in ihrer Herzenssprache bekommen.

Phonetik und Phonologie

Jede Sprache besteht zunächst einmal aus einer Abfolge von Lauten.
Wenn wir eine Sprache erforschen, beschäftigen wir uns mit Fragen wie:

Sprachforschung

Sprachforschung

  • Welche Laute gibt es in einer Sprache?
  • Für welche Laute braucht man im Alphabet einen Buchstaben?
  • Welche Rechtschreibregeln sind für diese Sprache am besten geeignet?

Spannend wird es, wenn eine Sprache Laute enthält, die wir aus unserer Muttersprache nicht kennen, oder wenn unterschiedliche Tonhöhen eine Rolle spielen. So kann z.B. im Chinesischen das Wort „ma“  fünf verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem ob sich die Stimme senkt oder hebt:

  • hohe Tonlage – Mutter
  • Stimme hebt sich beim Sprechen – Flachs, Hanf
  • tiefe Tonlage – Pferd
  • Stimme senkt sich beim Sprechen – schimpfen
  • unbetont – Fragewort

Grammatiksprache

Jede Sprache hat eine Struktur, ohne die eine Verständigung nicht möglich wäre. Wenn wir die Grammatik einer Sprache analysieren, beschäftigen uns z.B. folgende Fragen:

  • Wie drückt man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus? Oder gibt es diese Zeitformen vielleicht gar nicht?
  • Wie wird eine neue Person neu in einer Geschichte eingeführt?
  • Wie verweist man auf eine Person, die gerade nicht da ist?
  • Wie drückt man ein Besitzverhältnis aus?

Auch Sprachen, die noch nie aufgeschrieben wurden, haben oft eine sehr knifflige Grammatik. In der Sursurunga-Sprache (Papua-Neuguinea) gibt es z.B. 19 verschiedene Fürwörter (Personalpronomen) wie „mein“, „unser“ usw., im Deutschen dagegen nur acht!

Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Mitarbeiter/in im Bereich Sprachforschung werden können.

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